Nr.06>15-Jährige verhindert Schlimmeres beim Zimmerbrand 17.03.2019

Einsatznummer: 06
Datum: 17.03.2019
Alarmzeit: 22:30 Uhr
Alarmierungsart: Meldeempfänger, SMS
Dauer 1 Stunde
Art: Brandeinsatz > Zimmerbrand
Einsatzort: Holunderstraße
Fahrzeuge: Tanklöschfahrzeug
Löschgruppenfahrzeug
Mannschaftstransportfahrzeug
Weitere Kräfte: Feuerwehr Wymeer
Feuerwehr Weener
Rettungsdienst
Polizei

Bericht:

Einen Tag nach dem Brand sitzt der Schreck noch tief bei der Familie. Doch das Glück und die Freude darüber, das alle unbeschadet geblieben sind, überwiegen. Weil Lilly-Marleen  kühlen Kopf bei einem Brand im Bunder Elternhaus bewahrt hat, wurde niemand verletzt. Die 15-Jährige hat goldrichtig gehandelt und damit das Schlimmste verhindert.

In der Küche ist noch leichter Rauchgeruch zu vernehmen, eine zersplitterte Terrassentür zeugt von den dramatischen Ereignissen am Vorabend. »Wir haben alle schon geschlafen«, berichtet die 15-jährige Bunderin, die zusammen mit Mutter Denise, Vater Manfred und ihren Geschwistern in dem Haus an der Holunderstraße wohnt.

Das laute Piepen eines Rauchmelders reißt Lilly-Marleen gegen 22.20 Uhr aus dem Schlaf. Sie weckt ihre Schwester Laura-Madelaine (13) im gegenüberliegenden Zimmer. »Die war noch völlig verpeilt und wusste gar nicht, was los war«, erinnert sich die 15-Jährige. Gemeinsam gehen die beiden über die Treppe ins Erdgeschoss, wo die jüngeren Geschwister Lea-Sophie (8) und Christina (7) ihre Zimmer haben. Mittlerweile breitet sich beißender Qualm im Haus aus. »Es roch extrem nach verbranntem Plastik«, schildert Lilly-Marleen. Als sie einen Blick in die Küche werfen will, flackert das Licht nur noch einmal kurz auf und verlischt – alles ist voller Rauch. Hier steht, so stellt sich später heraus, die Ursache des Brandes – ein defekter Geschirrspüler.
Auf der anderen Seite des Erdgeschoss liegt das Schlafzimmer der Eltern. Der Weg dorthin ist durch dichten Qualm versperrt. »Wir haben laut gerufen, in der Hoffnung, dass sie uns hören, aber der Rauchmelder hat alles übertönt«, berichtet das Mädchen. Auch Anrufe auf dem Handy der Eltern scheitern – die Klingeltöne sind abgeschaltet.

Lilly-Marleen tut geistesgegenwärtig das Richtige: Sie zieht sich mit ihren Geschwistern in ihr Zimmer im Obergeschoss zurück, schließt die Tür, öffnet das Fenster und ruft den Notruf an. Am Telefon schildert sie die Lage und wieviele Menschen im Haus sind. »Die Feuerwehr war ratzifatz da«, zeigt sich Schülerin erleichtert. Mittlerweile ist der Rauch so dicht, dass man die Hand vor Augen kaum sehen kann.

Über eine Leiter werden die Kinder von der Bunder Feuerwehr aus dem Zimmer geholt. »Ich musste meiner jüngsten Schwester Christina noch Mut machen, sie hatte etwas Angst, hinunter zu klettern«, so Lilly-Marleen. Vor dem Haus werden die Kinder sofort von Rettungssanitätern versorgt.

Doch das Bangen um die Eltern geht weiter, denn sie sind immer noch im Haus. Atemschutzträger schlagen eine Terrassentür ein und verschaffen sich so Zutritt zum Haus. Das Geräusch lässt Vater Manfred hochschrecken. »Da habe ich erst gesehen, was los war.« Auf der Straße kann sich die Familie endlich in die Arme schließen. Alle sind gerettet – auch die zwei Hunde des Hauses, die verängstigt im Flur saßen.
»Wir sind sowas von glücklich und stolz«, zeigt sich Vater Manfred tief bewegt. Es zahlt sich aus, dass die Familie schon vorher mal über solche Szenarien gesprochen hat. »Wir haben den Kindern immer gesagt, dass sie das Haus sofort verlassen sollen und nicht auf uns Rücksicht nehmen. Wir schaffen es schon irgendwie. Eigentlich sollten alle Eltern mit ihren Kindern über so etwas sprechen«, wünscht sich Manfred Mauer.

Ernst Berends, Abschnittsleiter Süd der Kreisfeuerwehr, zeigt er sich beeindruckt von dem überlegten Handeln des Kindes. »Das Mädchen hat alles richtig gemacht«, lobt Berends gegenüber der RZ.
Dankbar ist die Familie für die Unterstützung der Nachbarn, die in der Not ihre Hilfe und Quartier zur Verfügung stellten. »In der Nacht konnten wir alle nicht schlafen. Aber wir waren so erleichtert, dass alles gut gegangen ist«, erzählt Lilly-Marleen – und wird dankbar von ihren Eltern geherzt.

Bericht: Rheiderland Zeitung ( Hanken)  Bilder: Klemmer